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Einfache Akkorde für Gitarre und Klavier: der komplette Leitfaden für Einsteiger
Was ist ein Akkord eigentlich?
Ein Akkord ist schlicht mehrere gleichzeitig gespielte Töne, die einen wiedererkennbaren Klangblock bilden, anders als eine Reihe von Tönen, die nacheinander gespielt werden. Der Grundbaustein fast aller Akkorde, vom einfachsten bis zum am stärksten aufgeladenen, heißt Dreiklang: drei übereinandergestapelte Töne, der Grundton, der dem Akkord seinen Namen gibt, die Terz, die entscheidet, ob er Dur oder Moll klingt, und die Quinte, die das Ganze festigt.
Diese Vorstellung eines Akkords als eigenständiger Block mit eigener Identität ist historisch keineswegs selbstverständlich. Vor dem 17. Jahrhundert dachte die abendländische Musiktheorie vor allem in Intervallen und sich kreuzenden melodischen Linien, ohne notwendigerweise zu benennen, was diese Linien übereinandergelegt ergaben. Es war der elsässische Theologe und Theoretiker Johannes Lippius, der in seiner 1612 veröffentlichten Abhandlung Synopsis musicae novae den lateinischen Begriff trias harmonica prägte, den „harmonischen Dreiklang“, um genau diesen Stapel aus Grundton, Terz und Quinte als eigenständige Einheit zu bezeichnen. Diese scheinbar unscheinbare Geste markiert eine Wende: Die abendländische Musik beginnt, vertikal in Akkordblöcken zu denken, und nicht mehr nur horizontal, in Linien, die sich beantworten.
Diese Wahl von drei Tönen ist nicht willkürlich: Sie ist in der Physik des Klangs verankert. Eine schwingende Saite oder Luftsäule erzeugt niemals eine einzige reine Frequenz; sie wird begleitet von einer Reihe höherer, leiserer Töne, den Obertönen, deren Frequenzen ganzzahlige Vielfache des Grundtons sind. Nun bilden der vierte, fünfte und sechste Oberton eines Tons untereinander ein Frequenzverhältnis von 4:5:6, was genau einem Dur-Dreiklang entspricht: Grundton, große Terz, reine Quinte. Mit anderen Worten: Ein Dur-Akkord ist bereits im Keim vorhanden, allein durch das Schwingen einer einzigen Saite. Das ist einer der Gründe, warum das Ohr, selbst ungeschult, den Dreiklang spontan als vollständigen, stabilen Klang wahrnimmt und nicht als zufälligen Stapel.
Ein Jahrhundert später, genau 1722, trieb der Komponist und Theoretiker Jean-Philippe Rameau diesen Gedanken in seinem Traité de l'harmonie réduite à ses principes naturels noch weiter. Er zeigte darin, dass ein Akkord seine Identität behält, ganz gleich, in welcher Reihenfolge seine Töne gestapelt sind: C, E, G zu spielen oder E, G, C oder auch G, C, E bleibt im Kern derselbe C-Dur-Akkord, lediglich umgekehrt, weil alle drei Versionen denselben Grundton teilen, den Rameau den fundamentalen Bass nannte. Diese Theorie der Umkehrungen erklärt, warum ein Gitarrenakkord und ein Klavierakkord, obwohl ihre Töne auf jedem Instrument ganz unterschiedlich angeordnet sind, trotzdem genau dasselbe theoretische Objekt bezeichnen. Was du lernst, auf der Gitarre wie am Klavier, sind stets nur unterschiedliche Arten, denselben theoretischen Baustein auf deinem Instrument anzuordnen.
Eine letzte nützliche Unterscheidung: Dasselbe Notentrio lässt sich auf zwei Arten spielen. Gestapelt und gleichzeitig angeschlagen ist es ein Akkord im engeren Sinn. Nacheinander gespielt, in der Reihenfolge oder durcheinander, sind es exakt dieselben Töne, aber man spricht dann von einem Arpeggio, vom italienischen Wort arpeggio, wörtlich „nach Art einer Harfe“, jenem Instrument, dessen Saiten natürlicherweise einzeln gezupft werden statt alle zusammen. Ein Anfänger, dem das gleichzeitige Anschlagen eines Akkords noch schwerfällt, profitiert oft davon, ihn zunächst als Arpeggio zu üben: Die Hand lernt die Platzierung jedes Fingers einzeln, bevor sie sie zu einer einzigen Bewegung zusammenführt.
Offene Akkorde auf der Gitarre: warum sie so leicht sind
Auf der Gitarre nutzt ein sogenannter offener Akkord mindestens eine leere Saite, eine Saite, die klingt, ohne dass ein Finger sie berührt, meist innerhalb der ersten drei Bünde des Halses. Genau das macht sie am Anfang so zugänglich: Die Hand muss nur zwei oder drei Töne mit den Fingern abdecken, der Rest des Klangs kommt gratis von den frei mitschwingenden leeren Saiten. Das lässt sich nicht vergleichen mit einem Barre-Akkord, bei dem der Zeigefinger allein den Sattel ersetzen und mehrere Saiten auf einmal drücken muss: Ein offener Akkord verteilt den Aufwand auf nur zwei oder drei Finger, was am ganz Anfang deutlich weniger Kraft und Präzision verlangt.
Diese offenen Akkorde tragen im englischsprachigen Raum oft einen vertrauten Spitznamen, cowboy chords, manchmal auch campfire chords, auf Deutsch etwa „Lagerfeuer-Akkorde“. Der Ausdruck stammt direkt aus dem Bild des einsam singenden Cowboys, populär gemacht durch Western und die singenden Filmcowboys der 1940er-Jahre, allen voran Gene Autry: Dieses Country-und-Western-Repertoire beruhte fast vollständig auf drei offenen Akkorden, gespielt ganz ohne Barre. Der Country-Songschreiber Harlan Howard brachte diesen Geist in den 1950er-Jahren in einem bis heute bekannten Satz auf den Punkt: Country-Musik sei nichts anderes als „drei Akkorde und die Wahrheit“, die ersten drei Akkorde, die jeder Gitarrist oder Ukulelenspieler meist zuerst lernt.
Das ist übrigens kein reiner Anfängerkniff: Leere Saiten schwingen über ihre volle Länge, ohne dass ein Finger den Klang dämpft, was ihnen ein Sustain und eine Brillanz verleiht, die ein vollständig gegriffener Barre-Akkord nie ganz erreicht. Aus diesem klanglichen Grund, nicht nur aus Bequemlichkeit, setzen erfahrene Gitarristen im Studio oder auf der Bühne weiterhin offene Akkorde ein und transponieren lieber mit einem Kapodaster, statt alles weiter oben am Hals als Barre neu zu greifen.
Diese Einfachheit hat einen echten pädagogischen Nutzen: Offene Akkorde klingen schon bei den ersten Versuchen sauber und voll, noch bevor die Hand überhaupt Kraft aufgebaut hat. Genau das fehlt einem Anfänger, der direkt mit Barre-Akkorden beginnt, wo schon der kleinste Mangel an Druck den Klang vollständig erstickt. Mit offenen Akkorden zu lernen heißt, zuerst einen korrekten Akkord hören zu lernen, bevor man ihn körperlich erzwingen lernt, in dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt.
Mit welchen Akkorden du auf der Gitarre anfängst
Die Reihenfolge, in der du die Akkorde angehst, zählt fast genauso viel wie die Akkorde selbst. Fang mit E-Moll und A-Moll an, den beiden einfachsten Akkorden des Repertoires: Alle Saiten klingen, ohne dass eine davon absichtlich gedämpft werden müsste, was Raum für Fehler lässt, während die Hand noch lernt, sich zu platzieren. Der Wechsel zwischen beiden ist zudem eine ausgezeichnete erste Übergangsübung, da die Finger auf benachbarten Saiten gruppiert bleiben.
Sind diese beiden Akkorde gesetzt, geht es weiter mit C-Dur, G-Dur, D-Dur, dann E-Dur und A-Dur. Jeder fügt eine genau bemessene neue Schwierigkeit hinzu: C spreizt die Finger zum ersten Mal auf verschiedene Bünde, G verlangt eine echte Dehnung zwischen den äußeren Fingern, D dagegen zieht die Finger allein auf die hohen Saiten zusammen. Mit diesen sieben Akkorden deckst du bereits die übergroße Mehrheit des Pop-, Folk-, Rock- und französischen Chanson-Repertoires ab, das ein Anfänger in seinen ersten Monaten wohl spielen möchte.
| Reihenfolge | Akkord | Finger | Gespielte Saiten | Warum er an dieser Stelle kommt |
|---|---|---|---|---|
| 1 | E-Moll (Em) | 2 Finger | 6 Saiten gespielt, 4 leer | Keine Saite muss absichtlich gedämpft werden: am tolerantesten gegenüber Handfehlern |
| 2 | A-Moll (Am) | 3 Finger | 5 Saiten gespielt, 2 leer | Die 3 Finger gruppieren sich auf benachbarten Saiten, kompakte Position |
| 3 | C-Dur (C) | 3 Finger | 5 Saiten gespielt, 2 leer | Erster Akkord, bei dem sich die Finger auf verschiedene Bünde spreizen |
| 4 | G-Dur (G) | 3 Finger | 6 Saiten gespielt, 3 leer | Gute Dehnübung zwischen den äußeren Fingern der Hand |
| 5 | D-Dur (D) | 3 Finger | 4 Saiten gespielt, 1 leer | Finger allein auf den hohen Saiten zusammengezogen |
| 6 | E-Dur (E) | 3 Finger | 6 Saiten gespielt, 3 leer | Alle Saiten klingen, gute Resonanz für das Ohr |
| 7 | A-Dur (A) | 3 Finger | 5 Saiten gespielt, 2 leer | Drei Finger auf demselben Bund ausgerichtet, leicht zusammen zu merken |
Diese Tabelle ist nicht zum Auswendiglernen gedacht: Sie hilft vor allem zu verstehen, warum manche Akkorde leichter wirken als andere, und warum die Reihenfolge E-Moll, A-Moll, C-Dur, G-Dur, D-Dur, E-Dur, A-Dur nicht willkürlich ist. Jeder Akkord der Liste greift einen Teil dessen auf, was der vorige bereits gelehrt hat, und fügt jeweils nur eine neue Schwierigkeit hinzu, statt alles auf einmal zu verändern.
Einfache Akkorde am Klavier: der Dreiklang in Grundstellung
Am Klavier wird ein Grundakkord meist in Grundstellung gespielt: die drei Töne des Dreiklangs, Grundton, Terz, Quinte, direkt übereinander gestapelt, mit einer einzigen Handbewegung zusammen gespielt. Der Modellakkord ist C-Dur, C-E-G, der ausschließlich auf weißen Tasten gespielt wird und sich daher auf einen Blick erkennen lässt. Die verbreitetste Fingersatz-Konvention setzt den Daumen, Finger 1, auf den Grundton, den Mittelfinger, Finger 3, auf die Terz und den kleinen Finger, Finger 5, auf die Quinte, eine Anordnung, die manchmal 1-3-5-Position genannt wird und für fast jeden Dreiklang in Grundstellung gilt.
Nimm G-Dur und F-Dur dazu, dann A-Moll und E-Moll: fünf Akkorde, die sich, wie C-Dur, schnell auf der Tastatur finden lassen und schon beim ersten Versuch voll klingen. Der Vorteil des Klaviers gegenüber der Gitarre liegt an dieser Stelle in einer Besonderheit seiner modernen Stimmung: Das heutige Klavier verwendet die gleichstufige Stimmung, die die Oktave in zwölf exakt gleiche Halbtöne teilt. Dieses Prinzip einer in jeder Tonart brauchbaren Stimmung war keine Selbstverständlichkeit: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts klangen die meisten Tasteninstrumente nur in wenigen Tonarten wirklich rein und in den übrigen deutlich falsch. Genau dieses Problem wollte Johann Sebastian Bach 1722 mit seiner Sammlung Das Wohltemperierte Klavier veranschaulichen, vierundzwanzig Präludien und Fugen, die absichtlich alle vierundzwanzig Dur- und Molltonarten abdecken, um zu zeigen, dass eine gut durchdachte Stimmung überall rein klingen kann. Die gleichstufige Stimmung, die sich später auf modernen Klavieren durchsetzte, treibt diese Logik bis zum Ende: zwölf exakt gleiche Halbtöne, wodurch dieselbe Dreiklangsform, identisch in ihrer Intervallstruktur, auf jedem beliebigen Grundton der Tastatur wiederkehrt.
Das ist ein grundlegender Unterschied zur Gitarre, wo jeder offene Akkord seine eigene Form hat, gebunden an die genauen Saiten, die leer mitklingen. Am Klavier dagegen gilt eine einzige, einmal gelernte Konstruktionslogik überall: Was sich von Akkord zu Akkord ändert, sind die betroffenen Tasten, nie das Prinzip. Das Klavier-Popover im Music Hub stützt sich genau auf diese Logik: Es zeigt exakt, welche Tasten für jeden in einem Schema angezeigten Akkord aufleuchten, womit du sofort prüfen kannst, ob deine Hand am richtigen Platz gelandet ist.
Dieselbe Logik funktioniert auch umgekehrt, um von Dur nach Moll zu wechseln. Ein Moll-Dreiklang behält exakt denselben Grundton und dieselbe Quinte wie ein Dur-Dreiklang, nur die Terz sinkt um einen Halbton. Bei A-Moll ergibt das A, C, E statt des A, C#, E von A-Dur: Eine einzige um eine Stufe verschobene Taste genügt, um den ganzen Akkord auf die dunkle Seite kippen zu lassen. Genau dasselbe Prinzip erklärt auf der Gitarre, warum sich die Griffe von E-Dur und E-Moll nur um einen fehlenden Finger unterscheiden.
Der Kapodaster: eine Abkürzung zu denselben einfachen Akkorden
Der Kapodaster, oder Capo, ist eine Klemme, die alle Saiten der Gitarre auf demselben Bund niederdrückt, was einem beweglichen Sattel weiter oben am Hals gleichkommt. Er erlaubt dir, die Tonart eines Stücks anzuheben und dabei genau dieselben offenen Akkordformen zu behalten, die du gerade gelernt hast: Die Finger bewegen sich nicht, nur der tatsächliche Name des Akkords ändert sich.
Ein konkretes Beispiel: Ein in Es-Dur geschriebenes Lied ist auf dem Papier eine Tonart voller Barre-Akkorde, für einen Anfänger mit offenen Akkorden unspielbar. Setz einen Kapodaster auf den ersten Bund und spiel die D-Griffe, oder auf den dritten Bund und spiel die C-Griffe: Der Klang kommt in der richtigen Tonart heraus, mit Akkorden, die du schon beherrschst. Ein Kapodaster kann die Tonart nur anheben, niemals senken, aber genau das brauchst du, um so lange wie möglich in einfachen Griffen zu bleiben.
Dasselbe Prinzip gilt für jeden deiner sieben einfachen Griffe: Im 2. Bund klingt A-Moll wie H-Moll, D klingt wie E, E-Dur klingt wie Fis. Sich diese Mechanik zu merken, ein Bund entspricht einem Halbton, genügt, um jeden deiner Akkorde zu transponieren, ohne jedes Mal einen neuen Fingersatz von Grund auf neu zu berechnen.
Am Klavier gibt es keine mechanische Entsprechung zu dieser Abkürzung. Seine Tasten liegen fest: Einen As-Dur-Akkord am Klavier zu spielen bedeutet, die Finger direkt auf die richtigen schwarzen und weißen Tasten zu setzen, ohne jedes Werkzeug, um die Tastatur physisch zu transponieren. Das ist ein echter Vorteil des Gitarren-Einsteigers gegenüber dem Klavier-Einsteiger, der jeden neuen Grundton einzeln lernen muss, bevor er dieselbe Freiheit gewinnt. Der eigene Leitfaden zum Kapodaster behandelt die vollständige Tabelle Bund für Bund, die richtige Platzierung am Hals und die häufigsten Stimmungsfehler.
Akkorde ohne Stocken wechseln: Ankerfinger und Metronom
Das eigentliche Hindernis für Anfänger ist fast nie, einen einzelnen Akkord zu greifen, sondern zwei Akkorde ohne stille Lücke aneinanderzureihen, während die Finger sich neu platzieren. Diese Stille, am Anfang oft eine Sekunde oder länger, bricht den Rhythmus und entmutigt schneller als die technische Schwierigkeit selbst.
Die wirksamste Lösung heißt Ankerfinger: zwischen zwei aufeinanderfolgenden Akkorden einen Finger ausfindig machen, der sich nicht bewegen muss. Zwischen C-Dur und A-Moll zum Beispiel bleiben zwei Finger genau an derselben Stelle auf denselben Saiten; nur ein einziger Finger bewegt sich tatsächlich. Diese Methode trägt in der kognitiven Psychologie einen Namen, Chunking, das Gruppieren von Informationen in kleinere, leichter merkbare Einheiten: Genau das leistet ein Ankerfinger, er reduziert einen komplexen Akkordwechsel auf eine einzige tatsächliche Bewegung statt auf drei oder vier gleichzeitige Neupositionierungen. Übe systematisch immer zwei Akkorde auf einmal, in der Schleife, und suche vor dem Spielen diesen Ankerpunkt.
Übe dann mit dem Metronom, sehr langsam, in einem Tempo, bei dem der Akkordwechsel genau auf den Schlag noch möglich bleibt, auch wenn das Ergebnis unsauber klingt, notfalls schrammst du über gedämpfte Saiten, solange die Hand noch nicht bereit ist. Gleichmäßigkeit geht an dieser Stelle vor Sauberkeit: Ein leicht gedämpfter Akkord, der genau zur richtigen Zeit sitzt, baut einen besseren rhythmischen Reflex auf als ein perfekter Akkord, der zu spät kommt. Erhöhe das Tempo erst, wenn der Übergang zehnmal hintereinander zuverlässig sitzt, niemals vorher.
Ein kurzes Aufwärmen, bevor du dich hinsetzt, hilft ebenfalls sehr: ein paar sanfte Dehnungen für Finger und Handgelenk, dann ein paar bereits bekannte Akkorde, langsam als Einstieg gespielt, bevor du einen neuen Übergang angehst. Eine kalte Hand ermüdet schneller und gewöhnt sich falsche Verkrampfungen an, was genau das Lernen verlangsamt, das dieser Einstieg beschleunigen soll.
Wie viele Akkorde braucht man für einen echten Song?
Viel weniger, als man zu Beginn denkt. Ein riesiger Teil des Pop-, Folk- und Country-Repertoires beruht auf nur drei oder vier Akkorden, die in Schleife unter verschiedenen Melodien wiederkehren: Genau das ist der Geist von Harlan Howards oben zitiertem Satz, oder auch der berühmten Vierakkorde-Folge, die über die Jahrzehnte Hunderte Pop-Songs trägt. Das ist kein stilistischer Zufall: Diese Handvoll Akkorde deckt für sich genommen die wesentlichen harmonischen Funktionen ab, Spannung und Entspannung, auf denen sich fast die gesamte westliche Popularmusik aufbaut.
Was diese drei oder vier Akkorde eigentlich darstellen, sind die drei großen Funktionen, die die Funktionstheorie kennt: die Tonika-Funktion, der Ruheakkord, bei dem sich das Ohr geborgen fühlt; die Dominant-Funktion, der Spannungsakkord, der nach Rückkehr verlangt; und die Subdominant-Funktion, der Übergangsakkord zwischen beiden. Eine Handvoll Akkorde genügt, um diese drei Funktionen in einer gegebenen Tonart darzustellen, was erklärt, warum sich mit so wenig Material so viel harmonisch erzählen lässt.
Diese Sparsamkeit ist nicht universell: Der Jazz etwa kann auf einem einzigen zweiunddreißigtaktigen Stück zwanzig verschiedene Akkorde aneinanderreihen, manche davon nur ein einziges Mal. Doch das, was ein Anfänger zuerst spielen will, in Pop, Folk, französischem Chanson oder Rock, braucht diesen harmonischen Reichtum in der überwiegenden Mehrheit der Fälle nicht: Die Grenze ist fast nie die Zahl der verfügbaren Akkorde, sondern die Geschwindigkeit und Sauberkeit, mit der du von den wenigen Akkorden, die du schon kennst, zum nächsten wechselst.
Der Music Hub behandelt diese Vierakkorde-Logik in einem eigenen Leitfaden, samt der Methode, sie in jede beliebige Tonart zu transponieren. Am Klavier gilt dasselbe Prinzip: Eine einmal gelernte Handvoll Dreiklänge, C-Dur, G-Dur, F-Dur, A-Moll, reicht aus, um weit mehr Lieder zu begleiten, als ihre geringe Zahl vermuten lässt. Der eigentliche Hebel für Fortschritt liegt an dieser Stelle also nicht darin, mehr Akkorde zu lernen, sondern die bereits bekannten schneller und zuverlässiger aneinanderzureihen.
Deine ersten Songs im Music Hub aussuchen
Der beste Weg, schnell voranzukommen, ist, so früh wie möglich ein echtes Stück zu spielen, statt zu warten, bis du „alles kannst“, bevor du es wagst. Ziel zuerst auf Lieder, die auf drei oder vier offenen Akkorden aufgebaut sind, die du bereits beherrschst: Sobald diese wenigen Akkorde sitzen, kannst du das ganze Lied spielen, mit allen Unebenheiten, und genau diese Praxis in echter Situation verankert einen Akkord viel schneller als eine isolierte, ins Leere wiederholte Übung.
Im Music Hub zeigt jede Künstlerseite die Tonart des Stücks an und, falls nötig, einen empfohlenen Kapodaster, um in einfachen Griffen zu bleiben, statt auf Barre-Akkorde zu stoßen. Das ist der schnellste Weg, um unter Tausenden Titeln genau die zu finden, die zu den Akkorden passen, die du diese Woche gerade gelernt hast, statt ein Lied aufs Geratewohl zu wählen und dich an einem Barre-Akkord im dritten Takt entmutigen zu lassen.
Diese Auswahl wächst mit dir mit. In den ersten Wochen filterst du nach den Tonarten, die zu deinen sieben offenen Akkorden passen; im Laufe der Monate erweiterst du das Feld nach und nach, sobald du Barre-Akkorde, Septakkorde oder einen gut gesetzten Kapodaster hinzufügst. Derselbe Liederkatalog begleitet dich so von deinem allerersten Akkord bis zu einem viel breiteren Repertoire, ohne je das Werkzeug zu wechseln.
Ein letzter einfacher Reflex hilft, deine Fortschritte zu messen, ohne dich nur auf den Eindruck des Moments zu verlassen: Notiere dir, Lied für Lied, welche Akkorde oder Übergänge dir noch Mühe bereiten. Diese Liste schrumpft im Lauf der Wochen schnell, und sie wird selbst zu einem persönlichen Leitfaden, genauer als jedes allgemeine Programm, um zu wissen, worauf sich deine nächste Übungseinheit konzentrieren sollte.
Typische Fehler vermeiden
FehlerDie Saiten mit der flachen Fingerseite statt mit der Fingerspitze drücken.
Warum — Legt man den Finger flach auf, berührt die Kuppe ungewollt auch die Nachbarsaiten, was sie dämpft oder zum Schnarren bringt. Das ist ganz am Anfang ein natürlicher Reflex, solange die Hand noch die richtige Neigung sucht.
Besser so : Runde die Finger, sodass nur die Spitze drückt, direkt hinter dem Bundstäbchen, mit dem Handgelenk leicht vom Hals abgesetzt, um dieser Krümmung Platz zu lassen.
FehlerAm Klavier bei jedem Versuch den Fingersatz wechseln.
Warum — Ohne festen Fingersatz lernt die Hand bei jedem Versuch einen neuen Weg neu, was das Einprägen des Bewegungsgedächtnisses verhindert und alle folgenden Übergänge verlangsamt.
Besser so : Lege von Anfang an einen Standardfingersatz fest, Daumen, Mittelfinger, kleiner Finger für einen Dreiklang in Grundstellung, und behalte ihn bei jeder Wiederholung bei, auch bei einer langsamen.
FehlerZehn Akkorde lernen wollen, bevor man zwei davon sauber aneinanderreihen kann.
Warum — Isolierte Akkorde anzuhäufen, ohne die Übergänge zu üben, ergibt eine Hand, die jede Form einzeln kennt, aber blockiert, sobald sie im Takt von einer zur anderen wechseln muss.
Besser so : Beschränke dich auf zwei oder drei Akkorde gleichzeitig, übe ihre Übergänge mit dem Metronom, bis sie zuverlässig sitzen, und füge erst dann einen weiteren Akkord hinzu.
FehlerDen Fingern die Schuld geben, wenn ein Akkord falsch klingt, ohne die Stimmung des Instruments zu prüfen.
Warum — Eine auch nur leicht verstimmte Gitarre lässt einen perfekt gegriffenen Akkord falsch oder matt klingen, was einen Anfänger unnötig entmutigt, der den Fehler in seiner Hand sucht statt in den Saiten.
Besser so : Stimme dein Instrument vor jeder Übungseinheit neu, besonders nach dem Ansetzen eines Kapodasters, und schließe diese Ursache aus, bevor du nach einem Fingersatzproblem suchst, das vielleicht gar nicht existiert.
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Welcher Akkord ist auf der Gitarre am einfachsten?
E-Moll. Zwei Finger, und alle sechs Saiten klingen, ohne dass eine absichtlich gedämpft werden müsste. A-Moll kommt gleich danach, mit einem Finger mehr. Das sind die beiden Akkorde, mit denen du vor C-Dur, G-Dur und D-Dur anfängst.
Welche Akkorde lernt man am Klavier zuerst?
C-Dur, G-Dur und F-Dur, dann A-Moll. Das sind Dreiklänge in Grundstellung, drei direkt übereinander gestapelte Töne, leicht auf den weißen Tasten zu finden mit dem Fingersatz Daumen-Mittelfinger-kleiner Finger. Diese vier Akkorde decken schon enorm viele Lieder ab.
Wozu dient ein Kapodaster für einen Anfänger?
Der Kapodaster drückt die Saiten an einem Bund nieder und hebt die Tonart an, ohne deine Finger zu verändern. Er lässt dich deine einfachen offenen Griffe behalten, statt Barre-Akkorde zu spielen. Ein Lied in Es-Dur, mit offenen Akkorden unspielbar, spielt sich mit D-Griffen und einem Kapodaster am ersten Bund.
Muss man Barre-Akkorde sofort lernen?
Nein. Barre-Akkorde verlangen Kraft und Präzision, die die Hand ganz am Anfang noch nicht hat. Ein Kapodaster und die sieben grundlegenden offenen Akkorde genügen, um über mehrere Monate die große Mehrheit der Lieder in jeder Tonart zu spielen.
Wie viele Akkorde braucht man für einen echten Song?
Oft nur drei oder vier. Ein riesiger Teil des Pop-, Folk- und Country-Repertoires beruht auf einer kleinen Handvoll Akkorde, die in Schleife unter verschiedenen Melodien wiederkehren. Der Jazz kann weit mehr davon einsetzen, aber das ist nicht der Ausgangspunkt für einen Anfänger.
Was genau ist ein Dreiklang?
Ein Dreiklang ist ein Akkord aus drei übereinandergestapelten Tönen: dem Grundton, der Terz und der Quinte. Er ist der Grundbaustein fast aller Akkorde, 1612 vom Theoretiker Johannes Lippius trias harmonica genannt. Auf der Gitarre wie am Klavier sind alle einfachen Anfängerakkorde Dreiklänge.