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Theorie-Guide·20 Min. Lesezeit

Notenbezeichnungen im Vergleich: das deutsche H, die internationalen Buchstaben und das lateinische Do-Re-Mi

In Europa kursieren nicht zwei, sondern drei verschiedene Arten, Noten zu benennen, ohne dass eine von ihnen richtiger wäre als die andere. Das eigene deutsche System, C D E F G A H, unterscheidet sich vom international gebräuchlichen Buchstabensystem, A B C D E F G, in genau einem einzigen, aber entscheidenden Punkt: Wo das Deutsche H für den natürlichen Ton Si und B für den erniedrigten Ton Si-Bemoll reserviert, schreibt das internationale System, das auch auf den Akkordsymbolen des Music Hub steht, B für den natürlichen Ton und Bb (oder B♭) für den erniedrigten. Diese Abweichung geht auf das Mittelalter zurück, auf zwei unterschiedliche Schreibweisen desselben Buchstabens b, die im deutschsprachigen Raum am Ende visuell mit dem gotischen H verschmolzen sind. Daneben existiert ein drittes System, das lateinische Solfège, Do Ré Mi Fa Sol La Si, erfunden im 11. Jahrhundert vom Mönch Guido von Arezzo aus den Anfangssilben eines Kirchenlieds, und bis heute die gebräuchliche Art, Noten in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und weiten Teilen Lateinamerikas zu benennen. Ein vollständiges internationales Akkordsymbol wie Am7, Bb, C♯m, Dsus4 oder F/A zerlegt sich immer nach demselben Muster: Der Buchstabe liefert den Grundton, ein kleines m signalisiert Moll, eine Ziffer präzisiert eine Septime oder Erweiterung, sus kennzeichnet eine Suspension, und ein Schrägstrich erzwingt einen abweichenden Basston. Einmal verstanden, bleibt nur ein einziger echter Stolperstein zwischen der eigenen deutschen Gewohnheit und dem sofortigen Lesen jeder international notierten Akkordfolge: der Tausch von H und B.
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Drei Systeme für eine einzige Musik: wozu dieser Ratgeber dient

Auf dem Music Hub werden die meisten Akkordfolgen mit Buchstaben angezeigt, Am7, G, Cmaj7, statt mit deutschen Notennamen. Das ist keine willkürliche Entscheidung der Seite: Es ist die fast universelle Konvention der Lead Sheets, Akkord-Apps, Tabulaturen und MAO-Software weltweit, in aller Regel aus dem englischsprachigen Raum übernommen. Für einen deutschsprachigen Musiker ist das auf den ersten Blick kein großes Hindernis, da die eigene Notation, C D E F G A H, bereits auf Buchstaben beruht und der internationalen sehr nahekommt. Genau diese Nähe birgt aber eine eigene Falle: An genau einer Stelle, dem Ton Si, weichen die beiden Systeme voneinander ab, und wer diesen einen Unterschied übersieht, liest ein Bb versehentlich als den eigenen erniedrigten Ton oder ein B versehentlich als das eigene H.

Zur eigenen Notation und der internationalen Buchstabenschreibweise kommt eine dritte Ebene hinzu, die einem deutschsprachigen Musiker oft völlig fremd ist: das lateinische Solfège, Do Ré Mi Fa Sol La Si, in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und weiten Teilen Lateinamerikas die gewöhnliche Art, Noten überhaupt zu benennen, nicht nur ein Werkzeug für Gehörbildung. Wer mit französischen oder italienischen Musikern spielt, eine dort notierte Partitur liest oder einfach nur verstehen will, warum die eigene Notation historisch so aussieht, wie sie aussieht, braucht dieses dritte System mit im Bild. Dieser Ratgeber deckt daher drei Dinge ab, statt nur eines: woher die eigene Notation mit ihrem H stammt, wie sich das lateinische Solfège liest und wie es an das eigene System anknüpft, und wie sich ein vollständiges internationales Akkordsymbol, vom einfachsten bis zum am stärksten beladenen, ohne Verwechslung entschlüsseln lässt.

Der Ursprung des lateinischen Solfège: Guido von Arezzo und die Hymne an Johannes den Täufer

Das System Do Ré Mi Fa Sol La Si ist nicht antik: Es entsteht im 11. Jahrhundert, um 1026-1028, im Traktat Micrologus des italienischen Benediktinermönchs Guido von Arezzo. Guido sucht einen Weg, jungen Mönchen das Singen erheblich schneller beizubringen als durch reines Auswendiglernen nach Gehör, das zuvor Jahre dauern konnte. Seine Idee: sich auf eine Hymne zu stützen, die ohnehin jeder auswendig kannte, Ut queant laxis, ursprünglich zum Fest Johannes des Täufers komponiert. Jede der ersten sechs Zeilen dieser Hymne beginnt auf einer Note, die gegenüber der vorherigen einen Ton höher liegt, und, entscheidend, jede beginnt zugleich mit einer anderen Silbe. Nimmt man nur diese ersten sechs Silben, ut-re-mi-fa-sol-la, erhält Guido einen festen Namen für jede der ersten sechs Stufen seines Hexachords, der sechsstufigen Tonleiter, die als Grundbaustein der gesamten mittelalterlichen Theorie dient.

Eine siebte Silbe für die siebte Stufe fehlt zunächst. Sie entsteht wenig später aus den beiden Anfangsbuchstaben der letzten Zeile der Hymne, Sancte Ioannes: si. Das Wort ut wiederum bereitet ein praktisches Problem: Sein abschließender Konsonant schließt den Mund und bremst den beim Singen gewünschten Schwung. Im 17. Jahrhundert setzt der italienische Theoretiker Giovanni Battista Doni durch, ut durch do zu ersetzen, eine offenere, leichter zu vokalisierende Silbe, vermutlich in Anklang an seinen eigenen Namen oder an Dominus, das lateinische Wort für Herr. Die Änderung setzt sich rasch in Frankreich und Italien durch, und genau diese Version, Do Ré Mi Fa Sol La Si, überdauert bis heute in sämtlichen Ländern lateinischer und slawischer Tradition. Im englischsprachigen Raum ersetzt eine getrennte Reform des 19. Jahrhunderts, angestoßen von der britischen Pädagogin Sarah Glover, das Si durch Ti, damit keine der sieben Silben mit demselben Buchstaben beginnt wie ihre Nachbarin, eine Vorgabe der damaligen englischen Gesangspädagogik, die im heutigen internationalen Buchstabensystem keine Rolle mehr spielt.

Auch das Wort Gamme, im Deutschen eher als Tonleiter bekannt, stammt aus dieser Geschichte: Guido baut sein System auf einer einundzwanzig Stufen umfassenden Tonleiter namens Gamut auf, einer Zusammenziehung aus Gamma und Ut, wobei Gamma der griechische Buchstabe ist, der die allertiefste Stufe des gesamten Systems benennt, tiefer sogar als das heutige Cello-C. Das Wort ist seither vom Namen dieser einen Stufe zum allgemeinen Namen jeder Tonleiter gewandert, ein Sinn, den es bis heute im Französischen wie im Englischen behält.

Der Ursprung der Buchstabenschreibweise: von der griechischen Antike zu Boethius

Das eigene deutsche Buchstabensystem ist in Wirklichkeit weit älter als das lateinische Solfège, auch wenn es sich erst deutlich später in seiner heutigen Form gefestigt hat. Bereits in der griechischen Antike, um das 1. oder 2. Jahrhundert, verwenden Theoretiker Buchstaben des griechischen Alphabets, um die von Pythagoras theoretisierte Tonleiter zu bezeichnen, ein abstraktes Notationssystem, das gelehrten Abhandlungen vorbehalten bleibt und nicht der täglichen Praxis der Musiker dient.

Es ist der römische Philosoph Boethius, im 6. Jahrhundert, der dieses Prinzip in seinem Traktat De institutione musica an das lateinische Abendland weitergibt und anpasst, einem der wichtigsten Referenztexte über Musik im gesamten Mittelalter. Boethius übernimmt das griechische Notensystem und kleidet es in lateinische Buchstaben: Er weist die Buchstaben A bis O, insgesamt fünfzehn, den fünfzehn Stufen des sogenannten vollkommenen Systems zu, dem großen griechischen Theoriegebäude, das den gesamten nutzbaren Umfang der menschlichen Stimme abdecken sollte. Dieser Luxus von fünfzehn unterschiedlichen Buchstaben hält nicht an: Je mehr sich die Theorie vereinfacht und der Oktavbegriff, zwei gleichnamige Töne im Abstand eines für das Ohr identisch klingenden Intervalls, sich als Ordnungsprinzip durchsetzt, desto mehr kehren mittelalterliche Theoretiker zu einem Zyklus von nur sieben Buchstaben zurück, A bis G, der sich von Oktave zu Oktave identisch wiederholt. Genau diesen von Boethius, der ihn wiederum von den Griechen übernommen hat, ererbten Siebener-Zyklus verwenden Deutsch, Englisch und die meisten germanischen Sprachen bis heute unverändert, fünfzehn Jahrhunderte später.

Beide Systeme, Silben und Buchstaben, haben also von Anfang an in denselben mittelalterlichen Traktaten nebeneinander bestanden: Ein Mönch des 12. Jahrhunderts konnte dieselbe Note ganz selbstverständlich einmal mit ihrem von Boethius ererbten Buchstaben, einmal mit ihrer von Guido ererbten Silbe bezeichnen, wobei beide lediglich denselben Klang benannten, ohne je in theoretische Konkurrenz zu treten. Genau diese doppelte, unverändert gebliebene Gewohnheit findet sich heute zwischen Buchstaben-Ländern wie dem deutschsprachigen Raum und Solfège-Ländern wie Frankreich oder Italien wieder.

Die Vergleichstabelle: derselbe Ton, drei Namen

Nach diesem historischen Umweg ist die eigentliche Entsprechung denkbar einfach, sobald man sie einmal vor Augen hat: Jede Silbe des lateinischen Solfège entspricht einem festen Buchstaben, immer demselben, ohne Ausnahme oder Sonderfall, und derselbe Buchstabe deckt sich fast vollständig mit der eigenen deutschen Bezeichnung.

Vollständige Entsprechung zwischen lateinischem Solfège, internationalen Buchstaben und der eigenen Notation
Solfège (festes Do)Internationaler BuchstabeEigene Notation
DoCC
DD
MiEE
FaFF
SolGG
LaAA
SiBH

Diese Tabelle allein genügt, um jede in lateinischem Solfège notierte Partitur in die eigene Notation zu übersetzen und umgekehrt: Es gibt nichts weiter auswendig zu lernen als diese sieben Entsprechungen, da die Reihenfolge in allen drei Systemen identisch bleibt, nur die Namen wechseln. Länder, die das Solfège als alltägliche Notennamen verwenden, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, der Großteil Lateinamerikas und ein guter Teil der slawischen Länder, sprechen dabei von festem Do: In diesem System bezeichnet Do stets und ausschließlich den Ton C, unabhängig von der Tonart des Stücks. Genau dieses feste Do verwendet auch dieser Ratgeber. Daneben existiert in bestimmten angelsächsischen Gehörbildungsmethoden ein sogenanntes bewegliches Do, bei dem der Name Do systematisch die Tonika des jeweiligen Stücks statt eines festen physikalischen Tons bezeichnet; dieser zweite Gebrauch bleibt ein reines Hörschulungswerkzeug ohne Bezug zum Lesen von Akkordfolgen, und dieser Ratgeber braucht ihn im Folgenden nicht mehr.

Warum das eigene H eine eigene Geschichte hat und der Music Hub trotzdem B schreibt

Ein Detail, das für einen deutschsprachigen Musiker meist keine Erklärung braucht, verdient trotzdem einen genauen Blick, weil es die einzige wirkliche Falle dieses gesamten Ratgebers ist: Im Deutschen, wie auch in weiten Teilen Mitteleuropas, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und mehreren skandinavischen Ländern, schreibt sich der natürliche Ton Si nicht B, sondern H, wobei der Buchstabe B ausschließlich dem erniedrigten Si-Bemoll vorbehalten bleibt. Der internationale Buchstabenstandard, der auf den meisten Websites, in Akkord-Apps und eben auch auf den Grids des Music Hub verwendet wird, kennt diese Unterscheidung nicht: Dort ist B stets der natürliche Ton, das eigene H, und Bb oder B♭ steht für den erniedrigten Ton, das eigene B.

Der Grund für die eigene Abweichung ist keine neuzeitliche Eigenheit, sondern reicht bis zum selben mittelalterlichen Hexachord zurück, das auch Guido von Arezzo zugrunde legt. In der mittelalterlichen Gesangstheorie stellte Si ein besonderes Problem dar: Je nach melodischem Kontext musste er gelegentlich leicht abgesenkt gesungen werden, woraus später das erniedrigte Si-Bemoll wurde. Um beide Versionen schriftlich zu unterscheiden, verwendeten Kopisten zwei unterschiedliche Formen des Buchstabens b: eine runde Form, das b rotundum, für den abgesenkten Ton, und eine eckige, fast quadratische Form, das b quadratum, für den natürlichen Ton. Aus diesen beiden Formen sind im Französischen direkt die Wörter bémol, von b mol, die weiche Version, und bécarre, von b carré, die eckige Version, entstanden. In Handschriften, die im deutschsprachigen Raum kopiert wurden, verschmolz die eckige Form des b mit ihren rechten Winkeln optisch zunehmend mit dem Buchstaben H des lokalen gotischen Alphabets, und diese grafische Verwechslung erstarrte zur festen Konvention: Der natürliche Ton wurde zum eigenständigen Buchstaben H, während B dem erniedrigten Ton, dem b rotundum, vorbehalten blieb.

Dieser Unterschied ist keine bloße Kuriosität für Musikwissenschaftler: Er hat eine unter Musikern gut bekannte Konsequenz. Johann Sebastian Bach signierte mehrere seiner Werke, am bekanntesten bleibt das unvollendete Werk Die Kunst der Fuge, mit einem viertönigen Motiv, das direkt aus den Buchstaben seines eigenen Namens in eigener Notation gebildet ist: B, das Si-Bemoll, A, das La, C, das Do, und H, das Si natürlich. Dieses viertönige Motiv, im internationalen System so nicht spielbar, da der Buchstabe H dort keine Note bezeichnet, wurde später von Dutzenden späteren Komponisten als Hommage aufgegriffen, von Schumann über Liszt bis Rimski-Korsakow, ein Beleg dafür, wie weit diese Besonderheit historisch über die eigenen Sprachgrenzen hinaus bekannt war.

Für das Lesen von Grids auf dem Music Hub bedeutet das ganz praktisch: Ein Bb dort ist keine Verdopplung oder ein Schreibfehler, sondern schlicht der eigene, vertraute Ton B; ein einzelnes B dort dagegen ist nicht der eigene erniedrigte Ton, sondern das eigene H.

Kreuz und Be in jedem der drei Systeme lesen

Kennt man den Grundbuchstaben oder die Grundsilbe einer Note, bleibt noch zu klären, wo und wie sich Alterationen, Kreuz und Be, in jedem der drei Systeme anhängen, denn die Schreiblogik wechselt von System zu System.

In der eigenen Notation hängt sich das Kreuz als Endung -is direkt an den Buchstaben, fis für Fa-dièse, cis für Do-dièse, während sich das Be als Endung -es, oder nach einem Vokal nur als -s, anhängt, etwa es für Mi-bémol oder as für La-bémol. Das eigene Si-Bemoll macht dabei eine Ausnahme von der eigenen Regel: Da der Buchstabe B bereits für sich allein den erniedrigten Ton bezeichnet, gibt es dafür keine eigens abgeleitete Form, das einfache B genügt; und das theoretische, in der Praxis kaum vorkommende doppelt erhöhte H hieße his, was auf keinen Fall mit dem einfachen B verwechselt werden sollte.

Im internationalen Buchstabensystem, das auch der Music Hub verwendet, hängt sich das Symbol direkt an den Buchstaben, ganz ohne Wort oder Leerzeichen dazwischen: F# für Fa-dièse, Bb oder B♭ für Si-bémol, C# für Do-dièse. Das Symbol # ersetzt dabei stets das Kreuz, und der kleine angehängte Buchstabe b oder das Symbol ♭ ersetzt stets das Be; genau diese Kompaktheit erlaubt es, vollständige Akkordsymbole wie Bbm7 oder F#maj7 zu schreiben, ganz ohne Leerzeichen oder überflüssige Satzzeichen.

Im lateinischen Solfège schließlich, dem für einen deutschsprachigen Leser wohl ungewohntesten der drei Systeme, wird das Wort dièse oder bémol wie ein Adjektiv hinter den Notennamen gestellt: fa dièse, si bémol, do dièse, ganz ohne Endung oder angehängtes Symbol.

Kreuz und Be in jedem der drei Systeme schreiben, am Beispiel von Fa und Si
SystemFa-dièse (erhöhtes Fa)Si-bémol (erniedrigtes Si)
Lateinisches SolfègeFa dièseSi bémol
Internationale BuchstabenF#Bb (oder B♭)
Eigene NotationFisB

In allen drei Fällen bleibt das Grundprinzip identisch: Eine Alteration ändert nie den Namen der Grundnote, sie präzisiert ihn nur. Ein Fis bleibt ein um einen Halbton erhöhtes F, nie eine völlig eigenständige Note mit komplett anderem Namen, ganz gleich, in welchem der drei Systeme sie notiert wird.

Ein vollständiges internationales Akkordsymbol lesen: die Logik hinter einem Symbol

Das internationale Buchstabenvokabular endet nicht beim reinen Notennamen: Es ist auch das System, mit dem auf praktisch sämtlichen Lead Sheets, Tabulatur-Websites und MAO-Programmen weltweit ganze Akkorde chiffriert werden, einschließlich der Grids auf dem Music Hub. Einmal verstanden, zerlegt sich ein internationales Akkordsymbol, auch ein stark beladenes, immer nach demselben Baustein-Prinzip.

Der Buchstabe allein, groß geschrieben, liefert den Grundton und zeigt standardmäßig einen Durakkord an: G liest sich als G-Dur, D als D-Dur, ohne dass für einen einfachen dreistimmigen Durakkord ein zusätzliches maj nötig wäre. Ein direkt angehängtes kleines m kippt den Akkord nach Moll: Am liest sich als A-Moll, Dm als D-Moll; eine verbreitete Falle besteht darin, dieses m fälschlich als Dur zu lesen, obwohl es genau das Gegenteil bedeutet. Eine anschließend angehängte Ziffer präzisiert hinzugefügte Töne: Eine einzelne 7 ohne weiteren Zusatz bezeichnet standardmäßig die Dominantseptime, die in Blues und Jazz gebräuchlichste Variante, während eine große Septime stets ausgeschrieben wird, maj7, um jede Verwechslung mit der vorigen auszuschließen; eine kleine Septime schreibt sich m7. Das Symbol sus, gefolgt von einer Ziffer, 2 oder 4, kennzeichnet einen Suspended-Akkord: Die Terz, die einem Akkord normalerweise seine Dur- oder Mollfarbe verleiht, wird durch die gleichnamige Sekunde oder Quarte ersetzt, was dem Akkord eine bewusst neutrale Farbe verleiht, weder eindeutig Dur noch eindeutig Moll.

Ein letztes Symbol verdient besondere Aufmerksamkeit: der Schrägstrich, wie in F/A. Er bedeutet niemals eine Wahl zwischen zwei möglichen Akkorden, auch keine Bruchzahl: Er zeigt einen Akkord an, dessen Grundton der vor dem Schrägstrich stehende bleibt, hier F-Dur, dessen tatsächlich gespielter Basston, meist am Klavier oder auf der tiefsten Saite, aber von diesem Grundton abweicht, hier A. Diese Art Akkord, Akkord mit vorgegebenem Bass oder je nach Fall Umkehrung genannt, erlaubt Basslinien, die schrittweise auf- oder absteigen, während der darüberliegende Akkord unverändert bleibt.

Ein internationales Akkordsymbol lesen: einige isolierte Beispiele
SymbolLesart auf DeutschWas jedes Symbol bedeutet
Am7A-Moll mit kleiner SeptimeA = Grundton A, lateinisch La; m = Moll; 7 = hinzugefügte kleine Septime (Dominantseptime)
BbB-Dur, international geschrieben BbB = Grundton Si, das eigene H; angehängtes b = erniedrigt um einen Halbton, ergibt das eigene B; kein Zusatz nach dem Buchstaben = Durakkord als Standard
C#mCis-MollC = Grundton C, lateinisch Do; angehängtes # = erhöht um einen Halbton, ergibt Cis; m = Moll
Dsus4D-Sus4, Quarte statt TerzD = Grundton D, lateinisch Ré; sus4 = die Terz wird durch die Quarte ersetzt
F/AF-Dur mit Basston AF = Akkord F-Dur; /A = der Ton A, lateinisch La, im Bass gespielt, unter dem eigentlichen Akkord

Diese wenigen Bausteine, der Buchstabe, das m, die Ziffer, das sus, der Schrägstrich, decken in Kombination die große Mehrheit der Symbole ab, die auf einem gewöhnlichen internationalen Grid vorkommen. Weiterführende Fälle, Nonakkorde, Quint-Alterationen, genaue Umkehrungen am Klavier, gehören zu einer feineren Theorie, die dieser reine Notations-Ratgeber nicht vollständig abdecken will; die Music-Hub-Ratgeber „Die Septakkorde: Dominante, maj7, min7" und „Suspendierte, verminderte, übermäßige Akkorde" vertiefen jeden dieser Punkte im Detail.

Zwischen den Systemen wechseln, ohne sich zu verlieren

In der Praxis muss sich ein deutschsprachiger Musiker so gut wie nie für ein einziges System fürs ganze Leben entscheiden: Es geht vielmehr darum, je nach vorliegendem Dokument zwischen den Systemen hin- und herzuschalten. Eine eigene Partitur, ein deutscher Musikunterricht oder eine Klavierschule für Kinder verwenden fast immer die eigene Notation, C D E F G A H; eine online gefundene Tabulatur, eine Akkord-App, ein amerikanisches Jazzbuch oder eine Session mit ausländischen Musikern verwenden fast immer die internationalen Buchstaben; eine französische, italienische oder spanische Partitur schließlich verwendet fast immer das lateinische Solfège. Der Music Hub hat sich, wie fast alle digitalen Werkzeuge für Musiker weltweit, für die internationalen Buchstaben entschieden, während die Erklärungen auf Deutsch bleiben, genau die Situation, die dieser Ratgeber entschärfen will.

Der wirksamste Reflex, um sich sicherer zu fühlen, bleibt, bei jedem B und jedem H auf einem internationalen Grid bewusst innezuhalten und sich kurz zu fragen, welcher der beiden gemeint ist, bevor man den Akkord greift: Bei einem Bb auf einem Grid sich gedanklich sagen, das eigene B, statt sich allein auf die vertraute Form der Griffposition zu verlassen. Diese anfangs etwas umständliche Gewohnheit verschwindet nach einigen Dutzend geübten Grids von selbst: Die Entsprechungstabelle liest sich mit der Zeit auf einen einzigen Blick.

Ein praktischer Hinweis lohnt sich zusätzlich, sobald das lateinische Solfège ins Bild kommt: Der Buchstabe A entspricht in keinem der beiden Buchstabensysteme dem Do der Bezugstonleiter, anders als ein alphabetischer Reflex vermuten ließe. A entspricht La, der sechsten Stufe der C-Dur-Tonleiter, nicht der ersten; die alphabetische Reihenfolge A-B-C-D-E-F-G beginnt historisch bei La, nicht bei Do, ein direktes Erbe des griechischen Systems und des Boethius, in dem der erste Buchstabe des Alphabets die tiefste Stufe des theoretischen Bezugssystems benannte, und das war eben nicht Do.

Was die Notation niemals ändert

Nach diesem historischen Umweg lohnt sich ein Punkt, den man klar wiederholen sollte: Keines der drei Systeme ändert die Musik selbst. Ein am Klavier gespieltes La schwingt mit derselben Frequenz, ob man es La, A oder, wäre es der natürliche Ton, H nennt. Ein G-Dur-Akkord klingt exakt gleich, ob er in internationalen Buchstaben, in der eigenen Notation oder in lateinischem Solfège benannt wird. Die Notation, Silben oder Buchstaben, ist immer nur ein nachträglich aufgesetztes Etikett auf einer akustischen Realität, die selbst von keiner Sprache und keiner Schreibkonvention abhängt.

Genau diese Unterscheidung zwischen dem Klang selbst und dem Namen, den man ihm gibt, erlaubt es, jede Notation ohne Scheu zu lesen: Die internationalen Buchstaben zu lernen zwingt nicht dazu, die bereits bekannte Theorie neu zu lernen, weder die Intervalle noch den Aufbau der Akkorde noch die Funktionsweise einer Tonart. Es handelt sich nur um ein zusätzliches Vokabular auf bereits vorhandenem Wissen, das letzte fehlende Teil, um jedes Grid des Music Hub mühelos zu lesen, ob es in der eigenen Notation, in internationalen Buchstaben oder, seltener, in lateinischem Solfège chiffriert ist.

Typische Fehler vermeiden

FehlerDas internationale B, den natürlichen Ton, mit dem eigenen erniedrigten B verwechseln, weil beide gleich geschrieben werden.

Warum — Im internationalen System, das auch der Music Hub verwendet, bezeichnet der bloße Buchstabe B immer den natürlichen Ton, das eigene H. Nur im Deutschen und einigen mitteleuropäischen Sprachen bezeichnet der bloße Buchstabe B den erniedrigten Ton. Wer diese beiden Konventionen vermischt, liest ein internationales B als das eigene B, statt als das eigene H, und greift dadurch versehentlich einen Halbton zu tief.

Besser so : Merke dir die Regel systemweise, nicht von Fall zu Fall: Auf einem internationalen Grid ist das bloße B immer der natürliche Ton, das eigene H; nur Bb oder B♭ ist das eigene erniedrigte B. In der eigenen Notation gilt dagegen die umgekehrte Zuordnung.

FehlerEin isoliertes Ziffernsymbol 7, wie in G7, als große Septime statt als Dominantseptime lesen.

Warum — In internationaler Notation zeigt eine direkt an einen Buchstaben angehängte 7 ohne weiteren Zusatz immer die Dominantseptime an, die in Blues und Jazz gebräuchlichste Variante. Die große Septime wird immer ausgeschrieben, maj7; ohne dieses maj kann es sich nie um eine große Septime handeln.

Besser so : Prüfe konsequent, ob vor der Ziffer 7 das Wort maj steht: Steht es da, handelt es sich um eine große Septime; fehlt es, ist es eine Dominantseptime, nie umgekehrt.

FehlerGlauben, ein mit Schrägstrich notierter Akkord wie F/A biete eine Wahl zwischen zwei möglichen Akkorden statt eines vorgegebenen Basstons.

Warum — Der Schrägstrich sieht optisch wie ein Bruch oder eine Alternative aus, was manche Anfänger dazu verleitet zu glauben, man müsse entweder den linken oder den rechten Akkord spielen. Tatsächlich bezeichnen beide Buchstaben dieselbe, in einem Zug gespielte Harmonie: den Akkord links für die Harmonie, den Ton rechts für den vorgegebenen Basston.

Besser so : Lies einen Schrägstrich immer als Akkord über vorgegebenem Bass: F/A wird als ein einziger F-Dur-Akkord gespielt, mit dem Ton A unter den übrigen Tönen, nie als Wahl zwischen F und A.

FehlerBeim ersten Kontakt mit dem lateinischen Solfège annehmen, Do bezeichne immer die Tonika des jeweiligen Stücks, statt immer und ausschließlich den Ton C.

Warum — In Frankreich, Italien und den anderen Solfège-Ländern gilt fast ausnahmslos das feste Do, bei dem Do immer C bedeutet, unabhängig von der Tonart. Ein bewegliches Do, bei dem Do die jeweilige Tonika bezeichnet, existiert zwar in bestimmten angelsächsischen Gehörbildungsmethoden, hat aber mit dem Lesen von Partituren oder Akkordfolgen in Solfège-Ländern nichts zu tun.

Besser so : Behandle Do in einer Solfège-Partitur immer als festen Namen für C, so wie H immer ein fester Name für den eigenen natürlichen Ton Si ist; die Tonart eines Stücks ändert nur, wie oft welche Note vorkommt, nie ihren Namen.

FehlerAnnehmen, der erste Buchstabe des internationalen Alphabets, A, entspreche der ersten Silbe des lateinischen Solfège, Do.

Warum — Der alphabetische Reflex verleitet dazu, den ersten Buchstaben mit der ersten Stufe einer Bezugstonleiter gleichzusetzen. Die von Boethius und den Griechen ererbte Buchstabenfolge beginnt aber bei La, nicht bei Do: A entspricht La, der sechsten Stufe der C-Dur-Tonleiter.

Besser so : Leite eine Entsprechung nie aus der alphabetischen Position allein ab; greife stattdessen auf die feste Vergleichstabelle zurück, Do gleich C, Ré gleich D, Mi gleich E, Fa gleich F, Sol gleich G, La gleich A, Si gleich H, statt nach alphabetischer Reihenfolge zu schließen.

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Häufige Fragen

Warum heißen die Noten in Frankreich, Italien oder Spanien Do Ré Mi, während die eigene Notation und das internationale System Buchstaben verwenden?

Das sind zwei historisch getrennte Traditionen, die Jahrhunderte auseinanderliegen. Die Buchstabenschreibweise reicht bis in die griechische Antike zurück und wurde im 6. Jahrhundert vom römischen Philosophen Boethius ans lateinische Abendland weitergegeben; aus ihr sind sowohl die eigene Notation als auch das internationale System hervorgegangen. Das Solfège Do Ré Mi Fa Sol La Si wurde erst viel später, im 11. Jahrhundert, vom Mönch Guido von Arezzo aus den Silben eines Kirchenlieds, Ut queant laxis, erfunden. Beide Systeme haben seit dem Mittelalter nebeneinander bestanden, ohne sich je gegenseitig zu ersetzen, jedes in unterschiedlichen Sprachräumen vorherrschend.

Warum schreibt sich der natürliche Ton Si in der eigenen Notation H und nicht B?

Im Mittelalter existierte Si in zwei Versionen je nach melodischem Kontext, einer natürlichen und einer abgesenkten. Kopisten unterschieden beide durch die Form des verwendeten b, eine eckige Form für den natürlichen Ton, eine runde Form für den abgesenkten. In Handschriften aus dem deutschsprachigen Raum verschmolz die eckige Form optisch mit dem Buchstaben H des lokalen gotischen Alphabets, eine Verwechslung, die sich später zur festen Konvention verfestigte. Genau deshalb weicht die eigene Notation an dieser einen Stelle vom internationalen System ab, das für den natürlichen Ton weiterhin B schreibt.

Wie schreibt man ein Kreuz oder ein Be im internationalen System, verglichen mit der eigenen Notation?

Im internationalen System hängt sich das Symbol direkt an den Buchstaben, ohne Leerzeichen: # für ein Kreuz, wie in F#, und b oder ♭ für ein Be, wie in Bb oder B♭. Das unterscheidet sich von der eigenen Notation, die die Endungen -is für ein Kreuz und -es oder -s für ein Be verwendet, fis oder es, und ebenso vom lateinischen Solfège, das dièse oder bémol als eigenes Wort hinter den Notennamen stellt, fa dièse oder si bémol.

Was bedeutet ein Akkordsymbol wie Am7 oder C#m?

Der Buchstabe liefert immer den Grundton des Akkords, standardmäßig groß geschrieben für Dur. Ein direkt angehängtes kleines m signalisiert Moll, das Fehlen von m signalisiert Dur. Eine Ziffer wie 7 fügt einen zusätzlichen Ton hinzu, standardmäßig eine Dominantseptime, sofern nicht ausdrücklich maj7 vermerkt ist. Am7 liest sich somit als A-Moll mit kleiner Septime, und C#m als Cis-Moll.

Was bedeutet ein mit Schrägstrich notierter Akkord wie F/A?

Der Schrägstrich zeigt niemals eine Wahl zwischen zwei Akkorden an: Er präzisiert, dass ein Akkord, hier F-Dur, mit einem vom Grundton abweichenden Basston gespielt wird, hier A. Diese Schreibweise, Akkord über vorgegebenem Bass genannt, dient vor allem dazu, Basslinien zu schreiben, die sich schrittweise bewegen, ohne die darüberliegende Harmonie zu ändern.

Muss ich das lateinische Solfège lernen, um die Grids des Music Hub zu nutzen?

Nein, nicht zwingend: Der Music Hub chiffriert seine Grids im internationalen Buchstabensystem, das der eigenen Notation bereits sehr nahekommt, mit genau einem Unterschied zu beachten, dem Tausch von H und B. Das lateinische Solfège bleibt vor allem dann nützlich, wenn man mit französischen, italienischen oder spanischen Musikern spielt oder eine dort notierte Partitur liest, ist für das Music Hub selbst aber keine Voraussetzung.